Landesprogramm verhilft Frauen zu einer Perspektive

STUTTGART Für sie hat der Stellenmarkt am wenigsten zu bieten: Alleinerziehende junge Mütter ohne Berufsausbildung haben kaum Möglichkeiten, eine passende Stelle zu finden. Ihnen soll das „Landesprogramm für gute und sichere Arbeit“ helfen.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. 88 Prozent der arbeitslosen Alleinerziehenden in Baden-Württemberg sind Frauen. Rund 7300 dieser Frauen (61,1 Prozent) unter 45 Jahren haben überhaupt keine Berufsausbildung; fast alle sind auf Leistungen des Staates angewiesen. Davon unabhängig zu werden, erfordert große Anstrengungen. Die jungen Mütter müssen sich qualifizieren, einen Stelle finden und Kinderbetreuung und Haushalt organisieren. Viele von ihnen sind damit überfordert.

Land fördert acht Modellprojekte

Im Rahmen des „Landesprogramm für gute und sichere Arbeit“ des Sozialministeriums, zu dem Ministerin Katrin Altpeter (SPD) am vergangenen Montag in Stuttgart eine erste Zwischenbilanz zog, ist die Förderung der Teilzeitausbildung für diese Frauen ein wichtiger Baustein. Seit Juni 2012 werden dabei noch bis Ende 2014 acht Modellprojekte aus Landesmitteln (rund 5,1 Millionen Euro) und mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert, die speziell alleinerziehenden Frauen den Weg in eine Teilzeitausbildung ermöglichen. „Die Frauen erhalten die Chance zu mehr Teilhabe am wirtschaftlichen und sozialen Leben, und ihr persönliches Armutsrisiko wird verringert“, sagt Sozialministerin Altpeter.

Zudem sollten die Modellprojekte dazu beitragen, die gesellschaftliche Akzeptanz von Teilzeitausbildung zu erhöhen, die laut Gesetz zwar schon längst möglich ist, aber kaum praktiziert wird. Insgesamt 1500 alleinerziehende Frauen in Baden-Württemberg sollen bis Ende 2014 von einem den acht Modellprojekte im Land profitieren.

Mit Coaching und Bewerbungstraining auf Berufsausbildung vorbereiten

Zu den geförderten Projekten gehört etwa das Projekt „Artemis“, das die Stuttgarter „Werkstatt Parität gGmbH“ in Kooperation mit der Diakonie Württemberg und dem Paritätischen Baden-Württemberg anbietet. „Bis Januar wird es ‚Artemis‘ an neun Standorten in Baden-Württemberg geben“, sagt Gisa Haas, Geschäftsführerin der „Werkstatt Parität“. „Im Juli haben wir mit vier Standorten angefangen, dort sind mittlerweile 50 Frauen in der Beratung. Das ist viel mehr, als wir erwartet haben.“

Wie bei den anderen geförderten Projekten auch wird bei „Artemis“ versucht, die Frauen in eine Ausbildungsstelle zu vermitteln, die in Teilzeit ausgeübt werden kann. Zu den Aufgaben des Projektträgers gehört, die Frauen in einem halbjährigen Kurs mit maximal 15 Wochenstunden mit Coaching und Bewerbungstraining auf eine Berufsausbildung vorzubereiten, Hilfen in der persönlichen Lebenssituation zu geben und gemeinsam mit den Frauen an mögliche Arbeitgeber heranzutreten. Sollte, etwa nach einem Praktikum, ein Teilzeit-Ausbildungsvertrag zustande kommen, werden die Frauen noch ein halbes Jahr begleitet und beraten. „Bei vier der 50 Frauen hat es bereits geklappt, und damit kann man schon sehr zufrieden sein“, sagt Haas.

„Wir wollen dem Bund zeigen, wie es funktionieren kann“

Darauf hofft auch Ute Becker von „In Via“ bei der Erzdiözese Freiburg, Koordinatorin des Modellprojekts „AB Jetzt“ der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (LAG KJS), an dem neben „In Via“ auch das Kolpingwerk in Tauberbischofsheim sowie der Verein „Förderband“ in Mannheim beteiligt sind. Für „AB Jetzt“ stehen insgesamt rund 770 000 Euro an EFS- und Landesmitteln zur Verfügung. An den „In Via“-Standorten Rastatt und Waldshut werden derzeit bereits rund 30 Frauen im Projekt betreut. „Wir sind noch in der Aufbauphase und erwarten uns konkrete Rückmeldungen über Vermittlungen erst im Frühjahr 2013“, sagt Ute Becker. „Ich glaube aber, dass Teilzeit-Ausbildungen gerade für kleinere Betriebe sehr interessant sind. Die wissen zu schätzen, dass junge Mütter einen hohen Reifegrad haben und wenig partyorientiert sind.“

Für Baden-Württemberg ist der Erfolg des Projekts nebenbei auch eine Prestige-Sache. Denn eigentlich fällt die Qualifizierung von Langzeit-Arbeitslosen ins Pflichtenheft des Bundes. „Wir wollen dem Bund zeigen, wie es funktionieren kann“, sagt eine Sprecherin des Sozialministeriums, und entsprechend berichtet Sozialministerin Altpeter, dass das Programm auf Bundesebene bereits großen Anklang gefunden habe. Für Projektbeteiligte wie Gisa Haas von der „Werkstatt“ in Stuttgart ist dieser Effekt allerdings nebensächlich. „Es ist sehr gut und sehr wichtig, dass sich die Landesregierung dieses Themas angenommen hat“, sagt Haas. Ihre Fazit ist kurz und prägnant: „Super.“

Autor: Ulrike Bäuerlein