Neu anfangen!
„ISAtrans- Der Weg zur Arbeit“ gibt Straffälligen eine Chance.

 

Lahr 05.10.2012 – Pressemitteilung zum Download (PDF)

Seit Januar 2012 setzt die Werkstatt Parität gGmbH in Kooperation mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg an drei Standorten im Land (Stuttgart, Pforzheim und Lahr) das Projekt „ISAtrans- Der Weg zur Arbeit“ um. Ziel ist es, straffällige und von Straffälligkeit bedrohte Frauen und Männer nachhaltig in ein gesichertes Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis zu vermitteln. Dabei werden die persönlichen Berufswünsche der TeilnehmerInnen berücksichtigt. Um die Nachhaltigkeit der Vermittlung in Arbeit zu erhöhen, spielt die „Nachbegleitung in Arbeit“ eine wesentliche Rolle. Der fachliche Erfahrungsaustausch mit den transnationalen Partnern Italien (Südtirol, Toskana) und Frankreich soll dabei neue Impulse bei der dauerhaften Resozialisierung von durch Straffälligkeit bedrohten Menschen bringen. Das Projekt läuft drei Jahre und wird aus dem Europäischen Sozialfonds gefördert und vom Justizministerium und dem Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg unterstützt. In Lahr wird das Projekt „ISAtrans“ von der Sozialen Rechtspflege Ortenau umgesetzt.

„Kriminologische Erkenntnisse und jahrelange Erfahrungen unserer Mitgliedsorganisationen zeigen, dass die Integration in Arbeit eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und ein Leben in legalen Bezügen ist“, betont Oliver Kaiser, Leiter des Fachbereichs Straffälligenhilfe beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg. „Insbesondere ist direkt nach Haftentlassung eine feste Tagessstruktur in Form von Arbeit zur Vermeidung von Rückfällen im Sinne erneuter Straffälligkeit enorm wichtig. Denn nur wer eigene Erwerbsarbeit hat, kann sich die Existenz nachhaltig und selbständig sichern und zugleich die Anerkennung in der Gesellschaft bekommen, die es für eine gelingende Integration braucht“, so Kaiser.

Das Projekt „ISAtrans“ hat auch für die Justiz in Baden-Württemberg einen hohen Stellenwert. „Gelingt es, Straffällige nachhaltig in ein Arbeitsverhältnis zu vermitteln und damit den Kreislauf zu durchbrechen, steigt ihre Chance auf Resozialisierung. Sie lernen auch Menschen kennen, die ihr Leben ohne Straftaten bestreiten und erfahren bei guter Arbeitsleistung Anerkennung“, erklärt Ursula Rubin, Vorsitzende Richterin am Landgericht Freiburg i.Br.. „Straffällige, insbesondere auch junge Menschen, die – seit Jahren – keiner geregelten Arbeit nachgehen und keine Tagesstruktur haben, vielmehr in den Tag hineinleben, laufen eher Gefahr, erneut Straftaten zu begehen. Die Erfahrung zeigt aber, dass diesem Personenkreis häufig nur entsprechende Fähig keiten und Kompetenzen fehlen, die im Arbeitsleben als selbstverständlich vorausgesetzt werden, beispielsweise Pünktlichkeit, regelmäßiges Erscheinen, Vorlage von Krankmeldungen im Krankheitsfall oder soziale Kompetenzen. Es bedarf daher entsprechender Trainingsmaßnahmen, um sie auf das Arbeitsleben vorzubereiten“, so Rubin.

Aus Sicht der Kommunalen Arbeitsförderung – JobCenter leistet „ISAtrans“ einen wichtigen Beitrag zur Integration eines Personenkreises in den ersten Arbeitsmarkt, der diesem ansonsten voraussichtlich verschlossen bliebe. „Für die Teilnehmer, aber auch die Arbeitgeber, ist es besonders wichtig, dass sie während eines Praktikums, eines Arbeitsversuchs oder beim Start in eine Ausbildung mit eventuell auftretenden Problemen nicht alleine gelassen werden“, erklärt Pietro Turri, Leiter der Außenstelle Lahr der Kommunalen Arbeitsförderung Ortenaukreis. „Dadurch gelingt es häufig, den Abbruch der Maßnahme zu vermeiden. Eine derartig aufwändige und intensive Betreuung ist in diesem Umfang durch die Persönlichen Ansprechpartner und Ansprechpartnerinnen der KOA nicht möglich.“

In Lahr wird das Projekt „ISA – Der Weg zur Arbeit“ mit großem Erfolg von der Sozialen Rechtspflege Ortenau in Lahr umgesetzt. Dabei fanden im Rahmen der transnationalen Zusammenarbeit mit Frankreich zunächst Kooperationsgespräche über Formen der Zusammenarbeit statt. Vereinbart wurden verschiedene Treffen der französischen und deutschen Projektteilnehmer zum Kennenlernen und Erfahrungsaustausch, sowie Treffen zwischen den Arbeitsanleitern und Projektleitungen. Im Juni fand das erste gemeinsame Treffen der Teilnehmer der französischen Arbeitsgruppe sowie der Projektteilnehmer der ISA Arbeitsgruppen aus Stuttgart, Pforzheim und der Ortenau in der Feste Mutzig statt. „Seither sind spürbare Veränderungen im Kontakt der beiden Arbeitsgruppen aus Straßburg und der Ortenau sichtbar“, betont Angelika Roth, 1. Vorsitzende der Sozialen Rechtspflege Ortenau. „Die Teilnehmer haben nicht nur Kenntnis voneinander sondern es besteht nun auch ein reger Austausch, ein Interesse an der jeweiligen Arbeit, der Situation und den Bedingungen der anderen Gruppen. Die Teilnehmer kennen sich jetzt und gehen auch aufeinander zu.“

„Die ProjektteilnehmerInnen bei der Sozialen Rechtspflege Ortenau übernehmen Einsätze von Städten, Gemeinden und von Vereinen wie Flitzebogen e. V., Forte de Mutzig (Festung Kaiserwilhelm II), Sportvereinen, Kindergärten, Schulen etc., wo Körperkraft und mehrere Hände gefragt sind“, erläutert Stephan Sattler, Leiter der Arbeitsgruppe ISAtrans bei der Sozialen Rechtspflege Ortenau. „Es werden Böschungen gerodet/ gemäht und bei Bedarf das Holz verbrannt, Hecken geschnitten, Biotope gepflegt und Jungbäume gepflanzt. Ein Fußballverein meldet sich jährlich, um seine Außenanlagen für das nächste große Fußballevent auf Vordermann zu bringen. Für einen Kindergarten werden Wildhölzer gesammelt, Weidentunnel und Brücken gebaut. Für das Tipilager transportieren die Teilnehmer gerne Steine und Bäume und bereiten diese für den zukünftigen Verwendungszweck vor. Die Wassergräben werden ausgehoben, Wege saniert und neu angelegt. Im Winter und bei Schmuddelwetter werden Keller einer Altenpflegeschule entrümpelt. Auf Wertstofftrennung und Recycling wird dabei großen Wert gelegt“, so Sattler.

„Durch den transnationalen Austausch mit den Partnern im europäischen Ausland über das Prozedere in den Arbeitsgruppen, bei der Vermittlung in normale Arbeit und der Festigung dieser Arbeitsverhältnisse soll das jeweilige Know-how erweitert und neue Chancen der erfolgreichen Vermittlung in Arbeit erkannt werden“, sagt
Hubertus Welt, Geschäftsführer des Bezirksvereins für Soziale Rechtspflege Pforzheim, die das Projekt in Pforzheim umsetzt. „Wir würden uns wünschen, dass diese Bemühungen und Erfolge im Rahmen unseres Projektes von den zuständigen Argen und Jobcentern landesweit erkannt und spezifische Projekte finanziert werden. Denn die Finanzierung über den ESF beschränkt sich ja nur auf 3 Jahre und drei Standorte“.