INSA „Integration Straffälliger in Arbeit“

Konzept „Beschäftigungsorientiertes Übergangsmanagement“

Straffällige und von Straffälligkeit bedrohte Menschen sind häufig von (Langzeit-) Arbeitslosigkeit betroffen und haben sehr schlechte Chancen auf eine Integration am Arbeitsmarkt. Das Projekt INSA verfolgt mit dem Konzept des ‚beschäftigungs-orientierten Übergangsmanagements‘ die nahtlose und dauerhafte Wiedereingliederung straffälliger Frauen und Männer in die Gesellschaft.

INSA bietet eine gezielte Förderung in Bezug auf die Beschäftigungsfähigkeit und leistet damit einen Beitrag zu gelungener nachhaltiger Resozialisierung. Auf der Basis unserer vorangegangenen Projekterfahrungen, der Erkenntnisse unseres transnationalen Austauschs mit Hilfsorganisationen aus Italien und insbesondere auch der Erkenntnisse des Kriminologischen Dienstes des Landes Nordrhein-Westfalen zur Beschäftigungsintegration Strafgefangener und Haftentlassener haben wir dieses Konzept entwickelt.

In enger Kooperation mit den zuständigen Justizvollzugsanstalten und Arbeitsagenturen vor Ort werden schon in Haft durch gezielte Maßnahmen der ‚Aktivierung in Haft‘ die Wege gelegt für einen möglichst nahtlosen und kurzfristigen Übergang in eine Beschäftigung. Um die Entstehung des sogenannten ‚Entlasslochs‘ zu vermeiden, werden die Projektteilnehmenden direkt nach Haftentlassung bei der Suche nach Arbeit und mit tagesstrukturierenden Arbeitsgruppen, mit individueller Beratung und Kompetenztrainings sowie bei der Stabilisierung der Beschäftigungsverhältnisse unterstützt.

Die vier Betreuungsbausteine

  • Aktivierung in Haft
  • Arbeitserprobung in Arbeitsgruppen
  • Kompetenztraining
  • Beschäftigungs- bzw. Ausbildungsassistenz

werden modular nach individueller Bedarfslage eingesetzt.

Der speziellen Situation strafgefangener Frauen wird mit der Aufnahme des neuen Projektstandorts Schwäbisch-Gmünd seit 01.02.2016 Rechnung getragen.

Projektziele:

INSA will für die teilnehmenden Frauen und Männern eine realistische berufliche Perspektive in enger Kooperation mit den Justizvollzugsanstalten und den Arbeitsagenturen entwickeln und den nahtlosen Übergang von Haft in Arbeit gewährleisten. Durch individuelle Beratung und Alltagsbegleitung werden die Teilnehmenden stabilisiert und sie verbessern im Projekt ihre Beschäftigungsfähigkeit und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Bei allen Aktivitäten und Projektangeboten stehen die Ressourcen der Teilnehmenden im Vordergrund. Gemeinsam werden Wege  in eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt erarbeitet. Die Stabilität der Beschäftigungsverhältnisse wird durch eine intensive Beschäftigungs- bzw. Ausbildungsassistenz während der ersten sechs Monate nach Beschäftigungsaufnahme erhöht.

Zielgruppe:

INSA richtet sich an Inhaftierte in der Entlassphase (i.d.R. drei Monate vor Entlassung), an Haftentlassene sowie an Menschen, die von Straffälligkeit und Inhaftierung bedroht sind.

Aktivitäten/Angebote:

Um die Zielsetzungen zu erreichen arbeiten wir nach dem Bausteinprinzip, mit dem die für den Teilnehmenden individuell passenden Leistungsmodule ausgewählt werden:

  1. Aktivierung in Haft

In enger Zusammenarbeit insbesondere mit den Sozialdiensten der Justizvollzugsanstalten und den Resozialisierungsberater/innen der Arbeitsagenturen vor Ort werden die Teilnehmenden in Haft individuell auf ihre Beschäftigungsmöglichkeiten nach Haftentlassung hin beraten. Dazu gehören u.a. Berufswegeberatung, Bewerbungsunterstützung, Klärung von SGB II/III-Ansprüchen inkl. Vorbereitung der Antragstellung, Akquise von betrieblichen Praktika und Arbeitsstellen.

  1. Arbeitsgruppe zur Stabilisierung und Förderung der Beschäftigungsfähigkeit

Die Arbeitsgruppen bieten den aus der Haft Entlassenen eine sinnvolle Beschäftigung in der Gruppe und Tagesstruktur . Zudem erhöhen die Teilnehmenden ihre Beschäftigungsfähigkeit, indem sie die notwendigen Schlüsselqualifikationen für ein Arbeitsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt erlangen.

  1. Kompetenztraining

Parallel und ergänzend zu den Arbeitseinsätzen in den Arbeitsgruppen findet in den regelmäßig einmal pro Woche angebotenen Kompetenztrainings eine Reflexion der Arbeitserfahrungen sowie ein erweiterter Kompetenzerwerb statt. Das Angebot reicht von Informationen zu Rechten und Pflichten am Arbeitsplatz, Verhalten im Team, Umgang mit Konflikten bis zu Computerkursen, Bewerbungstrainings und Exkursionen zu Betrieben.

4. Individuelle Beratung und Begleitung zur Förderung der Arbeitsaufnahme

Im Rahmen der individuellen Betreuung und Begleitung der Teilnehmenden werden neben den Hilfen zur Erlangung eines Ausbildungs- und Arbeitsplatzes auch „klassische“ Themen der Straffälligenhilfe wie die Wohnraumversorgung, die Geldverwaltung, Schuldenregulierung, Suchtprobleme etc. bearbeitet.

  1. Beschäftigungs-/Ausbildungsassistenz

Im Rahmen der Ausbildungs-/Beschäftigungsassistenz werden die Teilnehmenden nach Abschluss eines Arbeitsvertrages weiter betreut. Auf Wunsch kann eine Nachbegleitung auch ohne Einbezug des Arbeitgebers stattfinden.

Bei Abbruch eines Beschäftigungsverhältnisses werden Anschlussperspektiven gesucht und die erneute Beschäftigungsaufnahme gefördert.

Unsere Partner:

INSA ist ein Kooperationsprojekt der Werkstatt PARITÄT, des paritätischen Landesverbandes Baden-Württemberg und folgender vier  Mitgliedsorganisationen des PARITÄTISCHEN, die das Projekt INSA an den Standorten durchführen:

Das Projekt INSA steht mit transnationalen Partnern aus Italien im fachlichen Austausch und führt Projektbesuche zu den Projektpartner durch. Partner sind

  • die Justizvollzugsanstalt in Volterra
  • die Caritasdiözese Brixen-Bozen
  • die „Cooperativa Il Ponte“ in Pontedera

Mit diesem Video können Sie einen Einblick in die Projekte mit Straffälligen der Justizvollzugsanstalt in Volterra bekommen:

Fördergeber:

Das Projekt wird als landeszentrales ESF-Projekt mit Unterstützung des Ministeriums der Justiz und für Europa Baden-Württemberg und des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit finanziert.

Die Projektlaufzeit geht vom 01.01.2015 bis 31.12.2017.

20161102_neue_logoreihe_sm-esf

 Kontakt: Berndt Korten