vier Frauen unterhalten sich, machen sich Notizen und lachen

Takaa-Niroo

Förderung

Das Projekt wird von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert.

Geschlechterspezifische Fluchterfahrung

Im Jahr 2020 waren 82,4 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, in Deutschland befinden sich derzeit 1,4 Millionen Geflüchtete und Asylsuchende. Sie haben ihre Heimat und die gewohnte Umgebung verlassen und müssen sich in einer völlig neuen Umgebung zurechtfinden. Zudem haben viele Geflüchtete sehr traumatische Erfahrungen auf der Flucht gemacht. Oft gibt es keinen Raum um diese Dinge zu thematisieren. Die vielen Erwartungen und Aufgaben, die im Zuge der Aufenthaltssicherung an sie gestellt werden, scheinen auf den ersten Blick wichtiger als die Auseinandersetzung mit den gemachten Erfahrungen. Doch diese Traumata belasten die Geflüchteten und erschweren ihnen das Ankommen in Deutschland.

Die Fluchterfahrungen von Frauen und Männern unterscheiden sich teils sehr. Frauen fliehen häufiger mit Kindern oder weiteren Angehörigen, für die sie auch nach der Flucht die Verantwortung tragen. Hinzu kommen geschlechterspezifische Gewalterfahrungen sowohl im Heimatland als auch auf der Flucht. Viele Männer begeben sich zunächst alleine auf die Flucht und haben den Wunsch hier erst ihre Existenz zu sichern, bevor sie ihre Familie nachholen. Dies erzeugt bei ihnen einen großen Druck, dem sie zunächst alleine, ohne ihre Angehörigen standhalten müssen. 

Für die seelische Gesundheit der Geflüchteten ist es wichtig, dass ihre rollen- und geschlechterspezifischen Erfahrungen wahr und ernst genommen werden.

Die eigene Rolle in Familie und Gesellschaft finden

Takaa (arabisch: طاقة) und Niroo (persisch: نیرو) sind Bezeichnungen für Kraft. Sie bringen das Ziel des Projektes zum Ausdruck:
Die Entwicklung, Rückgewinnung und Bewahrung der persönlichen Kraft von Frauen und Mädchen mit Kriegs- und Fluchterfahrung.

Mit Takaa-Niroo bieten wir einen Raum für Geflüchtete, sich mit den Themen Familie, Geschlechterrollen, Gesundheit, Diskriminierung und Gewalt auseinanderzusetzen. Viele Geflüchtete kommen aus Ländern mit ausgeprägten patriarchalen Strukturen. Der hohe Wert der Gleichstellung der Geschlechter in Deutschland kann sowohl Frauen und Mädchen wie Männer und Jungen verunsichern. Der Austausch mit anderen, aber auch die Beratung helfen, die eigene Rolle in Familie und Gesellschaft zu reflektieren. Auch Möglichkeiten und Wünsche mit unterschiedlichen kulturellen Normen und sozialen Erwartungen umzugehen sind Thema. Das Projekt stärkt geflüchtete Menschen in Bezug auf ihre gesellschaftliche Teilhabe.

Das Programm wurde insgesamt an 15 Projektstandorten in Baden-Württemberg von Sommer 2018 bis zunächst Ende 2020 durchgeführt. Auf Grund der COVID-19-Pandemie konnten einige Bestärkungsprogramme bis Ende 2021 verlängert werden. Das geplante Nachfolgeprojekt startet 2022.

Die Werkstatt PARITÄT berät und begleitet die Projektstandorte bei der Durchführung der Bestärkungsprogramme. Sie sorgt für Austausch, Fortbildung und Hintergrundwissen. Auch überregionale Öffentlichkeitsarbeit und die Dokumentation des Gesamtprojekts gehören zu den Aufgaben.

Informationsmaterial

Flyer Takaa-Niroo

Der Flyer des Projekts Takaa-Niroo.

Projektangebot

Takaa-Niroo bietet Bestärkungsprogramme für Geflüchtete, um die seelische Gesundheit zu fördern und insbesondere Frauen und Mädchen vor Gewalt und Diskriminierung zu schützen. Die Programme haben zum Ziel die Geflüchteten zu stabilisieren, sie zu empowern und Gemeinschaft erleben zu lassen.

„Empowerment-Prozesse werden dort in Gang gesetzt, wo Menschen sich bestärkt fühlen und das Selbstverständnis der Kontrolle über ihr eigenes Leben haben.“

Ehmann/Klinge/Gölz/Möllers: Abschlussbericht der Begleitstudie „Takaa – Niroo“ – Bestärkungsprogramm für geflüchtete Frauen und Mädchen, S.6

Unsere Projektpartner*innen bieten Veranstaltungen für Mädchen oder Frauen meist in Form pädagogischer Gruppenangebote. Bei den geflüchteten Männern werden insbesondere Bezugspersonen der Teilnehmerinnen angesprochen. Hier hat sich das Angebot von Gesprächskreisen bewährt. Sie erhalten die Möglichkeit, sich über Familie, Geschlechterrollen, Normen und Erwartungen in Deutschland sowie über ihre Befürchtungen und Hoffnungen auszutauschen. Uns ist es wichtig auch die Haupt- und ehrenamtlichen Akteur*innen zu bestärken. Diese sind für die Geflüchteten häufig zentrale Ansprechpartner*innen. Dies findet meist durch Informations- und Kooperationstreffen statt. Das Angebot dient der Stärkung ihrer Handlungssicherheit in Fällen geschlechtsspezifischer Diskriminierungen und familiärer Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Für Mädchen und Jungen sind unsere Programme auch an Schulen und Jugendzentren angesiedelt.

Unsere Programme wurden für unterschiedliche Kultur- und Sprachräume konzipiert. Die Mehrzahl der Programme wendet sich an geflüchtete Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten. Die zweitstärkste Gruppe bildeten Programme für Geflüchtete aus Afrika. Die Umsetzung des Projektes wurde durch die Coronapandemie stark beeinflusst. Gruppenveranstaltungen in Präsenz konnten aufgrund der Kontaktbeschränkungen teils nicht stattfinden. Einzelgespräche waren eine Möglichkeit mit den Teilnehmenden in Kontakt zu bleiben, sollen jedoch wieder von Gruppenveranstaltungen abgelöst werden.

Unsere Bestärkungsprogramme richten sich an drei verschiedene Zielgruppen. Wir bieten Programme für geflüchtete Frauen und Mädchen, geflüchtete Männer und Jungen und haupt- und ehrenamtliche Akteur*innen in der Flüchtlingshilfe. So wird die Situation der geflüchteten Frauen und Mädchen nachhaltig gestärkt und verbessert.

Projekterfolge

Durchgeführte Bestärkungsprogramme
Darstellung der Projekterfolge
Durchgeführte Bestärkungsprogramme
Akkordeonelement
voll
Darstellung der Projekterfolge
Neue Perspektiven in einem fremden Land

Im Magazin Perspektiven, Ausgabe 02-2021, der Baden-Württemberg Stiftung kommen vier Teilnehmer*innen der Bestärkungsprogramme bei InKultuRa zu Wort. Und im Interview für den Jahresbericht 2020 der Baden-Württemberg erzählt Semra Yilmaz, Leiterin der Bestärkungsprogramme beim Projektstandort InKultuRa, von ihrer Arbeit.

Neue Perspektiven in einem fremden Land
Akkordeonelement

Im Magazin Perspektiven, Ausgabe 02-2021, der Baden-Württemberg Stiftung kommen vier Teilnehmer*innen der Bestärkungsprogramme bei InKultuRa zu Wort. Und im Interview für den Jahresbericht 2020 der Baden-Württemberg erzählt Semra Yilmaz, Leiterin der Bestärkungsprogramme beim Projektstandort InKultuRa, von ihrer Arbeit.

Das Projekt „Takaa – Niroo – Bestärkungsprogramm für geflüchtete Frauen und Mädchen“ kann somit als ein ganzheitliches Bestärkungsprogramm angesehen werden, dass auch das Umfeld der geflüchteten Mädchen und Frauen in den Blick nimmt und dadurch Entfremdung innerhalb des Familiengefüges sowie Überforderung der pädagogisch Handelnden vorbeugt.

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Ehmann/Klinge/Gölz/Möllers: Abschlussbericht der Begleitstudie „Takaa – Niroo“ – Bestärkungsprogramm für geflüchtete Frauen und Mädchen, S.4

Ansprechperson

Foto von Paula Beckert
Paula Beckert
Buchhaltung und Projektassistenz
0711 2155 421